Schurenbach High – 30,5km

Halde Schurenbach

So katastrophal mitunter die Radwegesituation in den Innenstädten im Ruhrgebiet ist, so schick ausgebaut ist das Streckennetz abseits der Ballungszentren. Darunter ehemalige Transportrouten aus Industriehochzeiten, die im Laufe der Zeit in fast autofreie Streckenverläufe umgewidmet worden sind. Auch Läufer können davon profitieren.

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Rhein-Herne-Kanal

Und so mache ich mich Mitte Januar für eine vermeintlich gut 25km-Runde auf zum Startpunkt Hüller Bach in Gelsenkirchen. „Hüller was?“, werden jetzt sicher nicht wenige denken und auch ich wusste bis vor einer Weile nichts von diesem bescheidenen Nebenfluss der Emscher zwischen Bochum und Gelsenkirchen. Vielmehr suchte ich zunächst nur einen Fixpunkt für Google Maps, der mich in die Nähe der Zoom Erlebniswelt bringen sollte. Nur hundert Meter von der elegant geschwungenen Brücke über den Rhein-Herne-Kanal unweit des Gelsenkirchener Zoos landete ich auf einem für zahlreiche Streckenstarts geeigneten Parkplatz an der L226. Auch ideal für alle, die von etwas weiter weg anreisen, denn von der A40 (Bochum-Hamme) und A42 (Herne-Crange) sowie der A2 sind es nur wenige Minuten bis zum direkt hinter einer Bushaltestelle gelegenen Parkplatz.

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Erzbahntrasse

Soviel zur Anreise, rauf geht’s auf die Strecke. Die führt immer der Sonne entgegen über genannte Kanal-Brücke zunächst auf der Erzbahntrasse in Richtung Bochum. Nach knapp fünf Kilometer biege ich am Fahrradtreff mit seinem um diese Jahreszeit leider geschlossenen Büdchen rechts ab in Richtung Zeche Zollverein. Die relativ neue und mir unbekannte Halde Pluto hab ich zu diesem Zeitpunkt hinter mir gelassen und auch die ein ganzes Stück höhere Halde Rheinelbe lasse ich heute links liegen. Die stattdessen ins Visier genommene Landmarke folgt erst später. Bis hierhin bin ich bis kurz vorm Fahrradtreff über Schotter/Sand gelaufen und von da an auf Asphalt unterwegs. Da es über neun Kilometer praktisch nur geradeaus geht, mache ich zur Unterhaltung Musik an. „Fliegende Fische“ von Neonschwarz begleitet mich bis zum Erlebnispfad-Gelände von Zeche Zollverein.

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Schleuse Gelsenkirchen

Kurz darauf geht es rechts weiter in Richtung Nordsternpark und nach weiteren fünf Kilometern bin ich am Fuße meines Zwischenziels angekommen. Jetzt werden ein paar Höhenmeter gesammelt, um auf die Halde Schurenbach zu kommen, wo mich die Stahl-Skulptur „Bramme“ von Künstler Richard Serra erwartet. Von hier oben haben hat man einen wunderbaren Blick auf das Ruhrgebiet. Zeche Zollverein ist ebenso zu sehen, wie die Arena auf Schalke und sogar das Tetraeder in Bottrop. Auf der anderen Seite der Halde geht es wieder runter und schließlich zurück auf die Rundstrecke und weiter in Richtung Nordsternpark. Dort angekommen, sagt mir Runtastic, dass ich bereits bei Kilometer 23 angekommen bin. Tja, offenbar ein gutes Stück verschätzt. Da auch im Park die Kioske geschlossen haben, bin ich froh, noch genug Wasser im Camel-Bag zu haben. Bereits bei Kilometer 14 hatte ich mich mit einem Banana Bread-Riegel gestärkt und bei Kilometer 25 merke ich, dass es eine gute Idee war, den Clif-Bar White Chocolate als Reserve eingepackt zu haben.

Vom Nordsternpark aus geht es am Ufer des Rhein-Herne-Kanal und teilweise an der parallel verlaufenden Emscher weitestgehend flach und mit „Hang“ von Lagwagon weiter. Kurz vor Kilometer 30 kommt dann – meine Beine signalisieren mir: endlich – die schicke Bogenbrücke in Sicht und nach 30,5km ist das Ziel erreicht. Puh, das war schon eine ordentliche Einheit.

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Anfeuerung am Rhein-Herne-Kanal

Wer die Strecke nachlaufen möchte, kann natürlich von zahlreichen anderen Orten wie z.B. der Zeche Zollverein oder dem Nordsternpark aus starten. Der Kurs ist weitestgehend flach, es gibt nur eine Handvoll Straßen, die man zwischen genanntem Fahrradtreff und Zeche Zollverein überqueren muss. Mitunter können die langen Geradeauspassagen etwas öde werden. Insofern Musik oder besser noch Mitläufer und gerade im Winter ausreichend Verpflegung dabei haben. Direkt an der Strecke hatte lediglich an der Überquerung der Ückendorfer Straße ein Kiosk geöffnet.

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Streckenverlauf (c) Runtastic

Fazit: Vor allem für ambitionierte Läufer, die wenig Lust auf mehrfach zu laufende, weil kürzere Runden haben, ist „Schurenbach High“ eine Empfehlung wert. Dank der gut ausgezeichneten roten Radwegeschilder der „Route der Industriekultur“ lässt sich dem Weg über weite Strecken einfach folgen. An der Schurennbach-Halde ist aktuell allerdings ein Schild aus dem Boden gerissen. An dieser Stelle geht’s geradeaus weiter, wenn man die Halde unbelaufen lässt, bzw. links, wenn man wie ich von der Rückseite auf die Route zurückkehrt. Am Nordsternpark gibt es verschiedene Optionen. Hier gilt es in Laufrichtung am rechten Ufer des Kanals weiterzulaufen. Einzelne Streckenabschnitte lassen sich außerdem bei Bedarf auch gut von A nach B und zurück laufen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Über Michael (17 Artikel)
"When you´re running, it´s life. Anything that happens before or after is just waiting" ...as Steve McQueen didn´t say

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