Neujahrslauf am Phoenixsee: “Die nächste Runde geht auf mich!”

Es gehört zu den schönen Begleitumständen von Laufveranstaltungen, dass Hobby-Läufer und professionelle Athleten sich die gleiche Strecke teilen. Die Organisatoren des 2. Dortmunder Neujahrslaufs erweiterten durch einen speziellen Modus das Miteinander von schnellen und gemütlichen Startern sogar noch. Denn am Phoenixsee bestimmten die Teilnehmer selbst, wie weit sie ihre Füße tragen.

Anhang 4 (2)Wer gerade erst das Laufen auf die „Gute Vorsätze“-Liste gesetzt hatte, durfte stolz sein, die 3,25km-Runde gefinisht zu haben, wer noch die Feiertagsmahlzeiten mit sich rumschleppte, gab sich entspannt mit zwei oder drei lockeren Umrundungen zufrieden. Gleichzeitig hatten ambitionierte Läufer die Möglichkeit, ihre Halbmarathon-Form zu testen. Denn für alle Teilnehmer galt die gleiche Ansage: Lauft in 90 Minuten so viele Runden, wie ihr wollt und die dann angefangene noch zu Ende. Ein prädestinierter Modus für ein bunt gemischtes Feld.
Das musste bei schick aufgehender Sonne und Temperaturen leicht über Null aber zunächst vor allem an der Wendepunkt-Brücke und dem ein oder anderen Kopfsteinpflaster-Übergang aufpassen, sich nicht auf die Nase zu legen. Die Streckenposten an der Brücke erkannten die Gefahr und sorgten mit der Streuung von Sand für etwas mehr Bodenhaftung.

Im Gegensatz zu „eindeutigen“ Distanzen war es in Dortmund nicht so wirklich möglich, sich an den Vorderleuten zu orientieren, bzw. zu versuchen, an überholenden Läufern dranzubleiben. Schließlich wusste man nicht, auf welche Runde-Zahl es die anderen abgesehen hatten. So blieb noch der Blick auf die Uhr, der bei fehlenden Kilometerpunkten an der Strecke und der ungeraden Runden-Distanz nicht wirklich viel hergab. Zudem schien die Lauf-App auf dem Smartphone mit dem Kurs, den vielen Teilnehmern oder beidem etwas überfordert zu sein. 4:30min/km bin ich zwischendurch sicherlich nicht gelaufen. Da aber ohnehin keine Bestzeitenjagd angesagt war, ließ sich darüber hinwegsehen und das Laufen in großer Gemeinschaft genießen.

Das Gute an der Laufphilosophie ist ja, dass du grundsätzlich nicht gegen andere läufst, sondern höchstens gegen, noch besser für dich. Auch wenn ich an dieser Stelle nur für mich selbst spreche, aber ich fand es alles andere als deprimierend, gleich zweimal vom einzigen 8-Runden-Läufer Andreas Kuhlen überrundet zu werden. Weil dir als Teilnehmer sonst selten die Möglichkeit gegeben wird, den schnellsten Läufern bei ihrem Voranpreschen zuzusehen. Da läuft das Auge mit! Und für dieses Erlebnis nahm ich dann auch gerne das ansonsten ungeliebte Mehrfach-Runden-Laufen in Kauf. Kompliment an die Organisatoren, die die Veranstaltung wirklich kreativ gestaltet und professionell durchgezogen haben. Wenn ich mir fürs nächste Mal eine Sache wünschen dürfte, dann bitte während des Laufs zusätzlich (lau)warme Getränke am Verpflegungsstand. Kaltes Wasser und Energy-Drink waren bei den Temperaturen etwas unangenehm. Ansonsten alles prima und vor allem in einer sehr freundschaftlichen Atmosphäre unter den gut 900 Läufern. Ein gelungener Start ins neue Laufjahr.

Ach so, jetzt hab ich gar nicht geschrieben, was ich gelaufen bin. Es waren 19,5km (6 Runden) in 1h:38min:31sec. Das Gel in Runde 5 ist mir in Verbindung mit dem Pfeifengeruch eines Spaziergängers mehr auf den Magen geschlagen, als dass es mir beim Plan, am Ende im Schnitt unter 5min/km zu bleiben, geholfen hätte. Lass ich beim nächsten Halbmarathon mal lieber weg. In einem „geordneteren“ Feld und ein paar Grad mehr auf dem Thermometer sollte das „Etappenziel“, über 21,1km unter 1h:45min zu bleiben, durchaus realisierbar sein. Bis dahin: Frohes Laufen!

 

Über Michael (17 Artikel)
"When you´re running, it´s life. Anything that happens before or after is just waiting" ...as Steve McQueen didn´t say

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