Silvesterlauf Essen: Im Blindflug über das Weltkulturerbe

Start der 5km-Distanz

Wenn noch einer muss. In der Vergangenheit Voerde und Dinslaken, in den letzten Jahren Herne und Recklinghausen. Der Silvesterlauf ist bei mir zu einer kleinen Tradition geworden und auch 2015 werden am 31.12. die Laufschuhe geschnürt. Mit meinen Dortmunder Jungs Christian, Veit und Stephan starte ich als Team „Wolfsrudel“ auf Zollverein in Essen. Drei Runden geht es auf dem Gelände der ehemaligen Zeche entlang der Industriekultur.

Imposante Kulisse

Weltkulturerbe-Kulisse

Im Vorfeld bin ich etwas skeptisch, dass es etwas eng werden könnte, aber die Veranstalter vom Team Essen 99 haben mit etwas mehr als 300 Startplätzen einen soliden Cut gemacht, so dass es auf der Strecke nichtmal am Start zu Staus kommt. Während der Rest des Rudels vorab beschließt, zusammen zu laufen, will ich nach drei Monaten Wettkampfpause nochmal wissen, was mein Leistungsstand ist. Im Blindflug, meine Uhr findet das GPS-Signal nicht, laufe ich zunächst zu schnell los. Das merke ich daran, dass ich nach ca. einem Kilometer ganz schön pusten und die Gruppe vor mir ziehen lassen muss. Ich hadere mit der Uhr und bin irgendwie unschlüssig, wie ich den Rest der insgesamt 10,2 km langen Strecke angehen soll. Beißen oder schleifen lassen.

Irgendwann ist das GPS-Signal da und ich halte am Streckenrand nach Kilometer-Markierungen Ausschau. Vergeblich. Offenbar sind die Kilometer in weiß auf den Asphalt gesprüht, was mir aber erst viel später auffällt. So starte ich irgendwann einfach die Uhr, um zumindest individuelle Kilometersplits zu haben. Dank des Runden-Formats weiß ich zudem ungefähr, wie weit das Rennen fortgeschritten ist. In der zweiten Runde merke ich meine Pace der ersten Kilometer in den Oberschenkeln. Die Uhr zeigt mir Splits von rund 4:40 min/km an. Ich habe weiterhin nicht wirklich Spaß. Dann aber sind es die Zuschauer, die meine Laune nach oben bringen. Zum einen die Kids, die sich freuen, wenn man mit ihnen abklatscht, zum anderen ein Typ am Streckenrand, der mir am Ende der zweiten Runde den Spruch „Lauf die Lücke zu!“ mit auf den Weg gibt. „Ich gebe mein Bestes“ antworte ich spontan und fühle mich tatsächlich ein wenig verpflichtet, dies nun wirklich zu tun.

Zufrieden im Ziel

Zufrieden im Ziel

Nach rund sieben Kilometern ist die Lücke zugelaufen und ich fühle mich plötzlich gut und habe Spaß an der Kulisse. Da ich weiterhin keinen Plan habe, was die Gesamtzeit angeht, laufe ich ohne Stress die letzten Kilometer bis zum Zielbereich. Der ist von den Organisatoren in eine der alten Werkshallen verlegt worden und so bekommt man auf den letzten Metern ein wenig „Frankfurt-Marathon-Feeling“ geboten. Überraschend stelle ich an der Ziellinie fest, dass ich 45:50 min gelaufen bin. Hochgerechnet einen 4:29 min-Split und damit im Schnitt 15 sec pro Kilometer schneller als angepeilt. Als Belohnung greife ich eine der letzten Feldschlösschen-Flaschen, mit Abstand bestes Malzbier der Welt, von den Getränketischen ab.

Da ich abseits von Wettkämpfen bei den üblichen Freizeitläufen in der Regel eher ein „Bummeltempo“ anschlage und nur höchst selten mal an Grenzen gehe, bin ich positiv überrascht über meinen aktuellen Leistungsstand und starte guter Dinge in die ersten Laufwochen des neuen Jahres, in denen es vor allem gilt, sich verstärkt den langen Läufen zu widmen, da bereits Anfang März zusammen mit Veit der Treviso Marathon auf der To-Do-Liste steht. Laufen wir es an!

Über Michael (17 Artikel)
"When you´re running, it´s life. Anything that happens before or after is just waiting" ...as Steve McQueen didn´t say

4 Kommentare zu Silvesterlauf Essen: Im Blindflug über das Weltkulturerbe

  1. Starker Bericht, gut und amüsant geschrieben. Mehr davon! :)

  2. Danke. Mehr Läufe, mehr Artikel. So der Plan

  3. Schöner Bericht! Ich bin auch auf Zollverein gestartet und hatte eigentlich auf einen 10er in 55min gehofft, aber eine Erkältung nach Weihnachten hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, sodass ich zwischenzeitlich dachte, dass es der 5er auch getan hätte. Aber die Zuschauer waren klasse, da geb ich dir recht! Am Ende war es ein schöner Lauf mit PB – auch wenn es mit sub55 nicht geklappt hat – vielleicht im nächsten Jahr ;-)

    • Hi Lena, vielen Dank für dein Feedback. Richtige Entscheidung, bei Erkältung etwas kürzer zu treten. PB kann man ja das ganze Jahr laufen

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