Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf: “Kein Wasser für Rassisten”

„Kein Wasser für Rassisten“ – Die Beschriftung der Getränkeflaschen, die vor dem Start des 11. Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf gereicht werden, macht direkt klar, welch Geist an diesem Tag im Schatten des Westfalenstadions herrscht. In Erinnerung an ihren vor 70 Jahren von den Nazis ermordeten Platzwart lädt der BVB-Fanclub „Heinrich Czerkus“ traditionell an Karfreitag zum sportlichen Gedenken.

Klares Bekenntnis

Grob geschätzte 150 Läufer und Radfahrer machen sich bei wunderbarem Frühlingswetter in familiärer Atmosphäre auf die ca. 6,5 km lange Strecke vom altehrwürdigen Stadion Rote Erde bis zum Mahnmal Bittermark. Die Stimmung ist auch deshalb so entspannt, weil hier heute kein Wettkampf stattfindet und keine Zeiten gemessen werden. Im Vordergrund stehen die Freude am Laufen und das Bekenntnis gegen rechte Gewalt in Vergangenheit und Gegenwart. Da ich zum ersten Mal in Dortmund dabei bin, hatte ich zunächst gedacht, dass alle Teilnehmer den Lauf gemeinsam bestreiten, doch bereits nach wenigen hundert Metern ist das Feld auseinandergezogen. Im vorderen Bereich wird zwischendurch ein solider Tempodauerlauf im niedrigen 5min+X/km angeschlagen.

Gedenkstein im Rombergpark

Gedenkstein im Rombergpark

Die Route in die Bittermark führt bewusst durch den Rombergpark, wo Ende des 2. Weltkriegs nicht nur Heinrich Czerkus sondern insgesamt rund 300 Widerstandskämpfer ermordet worden sind. Kurzer Stopp am Gedenkstein und weiter geht es. Freiwillige Helfer und schwarz-gelbe Bänder an Laternen und Bäumen weisen den Weg. Dann heißt es plötzlich lauthals „Warten!“ – „Wie warten?“ zeigt sich unser Grüppchen verblüfft. Der Grund wird dann aber schnell klar. Wir müssen eine Hauptstraße queren, die nicht abgesperrt ist. Was bei einem Rennen gegen die Zeit bestimmt für Unmut gesorgt hätte, nimmt man heute locker.

Mahnmal Bittermark

Mahnmal Bittermark

Gut eineinhalb Kilometer vor dem Ziel wird es am Beginn der Bittermark dann aber doch noch nervig. Eine Mischung von hunderten Fußgängern, die sich zusammensetzt aus früher am Tag gestarteten Spaziertempo-Teilnehmern des Gedächtnislaufs, Ostermarsch-Aktivisten und Menschen, die „lediglich“ an der allgemeinen Gedenkfeier der Nazi-Opfer teilnehmen wollen, zwingt uns zum Zick-Zack-Kurs durch die Menge. Beim nächsten Mal wäre es vielleicht sinnvoll, für die Läufer eine Alternativ-Route auszuschildern, um derlei Hektik zu vermeiden. Am Mahnmal angekommen, versorgt der Fanclub alle Starter schließlich nicht nur mit Wasser, Bananen und Schokoriegeln, sondern zudem mit einer von BVB-Legende Siegfried Held persönlich unterschrieben Teilnehmerurkunde. Schöne Geste.

Am Ende noch ein Dank an alle Organisatoren und Teilnehmer: Sogar als „Königsblauer“ habe ich mich heute sehr wohl unter euch „Schwarz-Gelben“ gefühlt.

Über Michael (17 Artikel)
"When you´re running, it´s life. Anything that happens before or after is just waiting" ...as Steve McQueen didn´t say

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*