Meerhardt Extreme – Me vs. The Rock

170 Teilnehmer beim 10km-Hauptlauf

„Meerhardt Extreme“ – Zunächst bin ich skeptisch. Zu oft schmücken sich seltsame Pseudo-Survival-Events, auf denen es über Heuballen und durch Abflussrohre geht, mit derlei Attributen. Macht da jemand auf dicke Hose? Ein Blick auf die Webseite zerstreut die Zweifel. Hier lädt mit dem TSV Dieringhausen ein örtlicher Sportverein in seine heimischen Gefilde. Zehn Kilometer durch die Meerhardt soll es gehen, begleitet von rund 300 Höhenmetern. Klingt nach einer netten Herausforderung.

Streckenprofil / Karte: runtastic

Streckenprofil / Karte: runtastic

Also heißt es Samstagmittag Aufbruch vom Ruhrgebiet aus ins Oberbergische Land. Hinter Hagen sind die Wiesen abseits der Autobahn fortan schneebedeckt. Nach eineinviertel Stunden ist das Ziel erreicht. Auf dem vorab empfohlenen Gelände eines Reifenhändlers lässt sich entspannt parken und 200 Meter weiter die Startnummer abholen. Ob Läufer (170 über 10 km) oder Helfer, alle tragen ein Lächeln auf dem Gesicht.

Zumindest bis zum Start, denn der hat es gleich in sich. Zwar nicht allzu steil, aber stetig führt die Strecke den ersten Kilometer über Schnee und Matsch in die Höhe. Auf dem anschließenden Gefälle lege ich eine Schippe drauf und zieh an dem ein oder anderen vorbei. Wenn ich allerdings vorher gewusst hätte, was mich nach gut 2,5 km erwartet, hätte ich das mit dem Tempo machen mal lieber gelassen.

Denn jetzt kommt „The Rock“. Den Namen hab ich mir nicht einfallen lassen, sondern ist unten am Anstieg in den Schnee gesprüht. Ich schaue nach oben und renke mir fast den Halswirbel aus, so hoch geht es. Laut App mit stellenweise nahe an die 20% Steigung. Der muss ich nach gut der Hälfte des Anstiegs Tribut zollen und in den Geh-Modus wechseln. Okay, viel schneller war ich vorher im Laufschritt auch nicht.

Auf dem anschließenden leichten Gefälle erhole ich mich gut und verkneife es mir, ein weiteres Mal das Tempo anzuziehen. Einerseits liegen noch sieben Kilometer vor mir, andererseits ist die Strecke stellenweise vereist. Dann lieber Puls runter und sicher auf den nächsten Abschnitt. Der fordert mehrfach höchste Konzentration bei starken Gefällen, die aus einer Mischung aus Schnee und Eis eine echte Herausforderung darstellen. Allerdings bist du als Läufer nicht allein. Schilder und vor allem Zuschauer und Helfer am Wegesrand warnen frühzeitig vor kniffligen Passage.

Da ich als Flachland-Ruhri bis auf ein paar Halden und die Dortmunder Bittermark nur wenig Erfahrung mit Auf- und Ab-Strecken und zudem keine Uhr dabei habe, verliere ich im weiteren Verlauf das Gefühl für die Distanz. Als ich mich irgendwann dem Zielbereich nähere, denk ich noch kurz, dass das Rennen ja doch arg flott vorbei gegangen sei und werde direkt eines besseren belehrt. Denn es folgt noch eine weitere rund 3,5 km lange Schleife, die zudem noch einen letzten fiesen Anstieg zu bieten hat.

Sicher im Ziel

Sicher im Ziel

Ich schaffe es zwar im Laufmodus bis zur Hügelspitze, muss aber erstmal gut durchatmen. Die letzten 1,5 km geht es dann rasant in einer Fünfergruppe bergab. Ich entschließe mich, jetzt keine Platzierungskämpfe mehr zu veranstalten, sondern aufgrund der durch die sich einschleichende Erschöpfung schwindende Konzentration, einen halben Gang zurückzuschalten und sicher ins Ziel zu kommen. Nach abwechslungsreichen 55:33 min ist es schließlich soweit.

Den Zusatz „Extreme“ hat sich die Meerhardt an diesem Tag definitiv durch seine wechselhaften  Bodenverhältnisse verdient und ich bin mehr als froh, die Strecke ohne Sturz überstanden zu haben. Vielen Dank an die Organisatoren und Helfer des TSV Dieringhausen sowie an alle Mitläufer. Das hat in familiärer Atmosphäre sehr viel Spaß gemacht.

Über Michael (17 Artikel)
"When you´re running, it´s life. Anything that happens before or after is just waiting" ...as Steve McQueen didn´t say

3 Kommentare zu Meerhardt Extreme – Me vs. The Rock

  1. Das klingt doch nach viel Spaß :). 20% sind wirklich eine enorme Hausnummer. Wir haben hier eine schöne Straße!!! mit 18% Steigung/Gefälle. Schönes Laufen ist anders. Glückwunsch zum Ergebnis und weiter so!

  2. Danke! Das war schon ein Stückweit ein “Sprung ins kalte Wasser”. Mit einigermaßen Grundkondition ist die Distanz gut zu meistern. Man darf nur vor allem bergab nicht übermütig werden.

  3. Ich kann RunningSebi nur zustimmen: langweilig scheint es nicht gewesen zu sein! :D Und bei den Bodenverhältnissen bekommt das Ganze noch eine besondere Würze. Bis demnächst mal!

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